Was
will der VS?
Während Polizisten in der Regel darauf aus sind, konkrete Informationen
über Zusammensetzung und Aktionen unserer Zusammenhänge zu kriegen,
um aus ihnen Konstrukte bilden zu können, die sie gegen uns verwenden
wollen, verfolgt der VS vornehmlich das Ziel, einen detaillierten Gesamtüberblick
über den linken Widerstand zu bekommen. Er soll durch seine Analysen
und Prognosen dazu beitragen, die geeignetsten Mittel des Repressionsapparates
zur Sicherung der herrschenden Verhältnisse herauszufinden. Auf der
Grundlage der Erkenntnisse des VS entscheiden die StrategInnen der "inneren
Sicherheit", ob versucht werden soll, den Widerstand entweder durch
Kampagnen, Integration, Spaltung oder Zerschlagung zu brechen. So kümmert
sich der VS nicht um die Errichtung irgendwelcher personenbezogener Straftatkonstrukte,
sondern vielmehr um die politische Arbeit, die von unseren Zusammenhängen
gemacht wird. Er ist dabei ständig bemüht, diese Arbeit zu bewerten
und vorauszusehen, inwieweit sie die herrschende Ordnung gefährden
könnte. Dafür hält es der VS für notwendig, alle möglichen
Interna, Diskussionen und Funktionen von Leuten aufzuzeichnen und nachvollziehen
zu können.
Natürlich
gibt es aber trotz der unterschiedlichen Aufgaben einen regen Informationsaustausch
zwischen Polizei und VS und über das gesetzlich erlaubte hinaus auch
eine informelle Koordination und enge Zusammenarbeit wenn es um ein gemeinsames
Ziel geht, bspw. die Kriminalisierung eines bestimmten Zusammenhanges
oder Projektes.
Der
VS bedient sich verschiedener Arbeitsweisen, beispielsweise:
Auswerten von öffentlich zugänglichen Quellen wie Flugblättern,
Broschüren, Zeitschriften und Veranstaltungen Informationsbeschaffung
bei (dazu verpflichteten) staatlichen Institutionen wie Uni, Schule, Amt
usw. aber auch Anfragen bei ArbeitgeberInnen, Familie, Freunden und Bekannten
Einsatz von Spitzeln bzw. Under-Cover-BeamtInnen
Bei
den Anwerbeversuchen
Der VS versucht auch kontinuierlich, InformantInnen durch das Anwerben
von Leuten aus unseren Zusammenhängen zu gewinnen. Der VS sucht sich
die Leute, die er ansprechen will, genau aus und bringt im Vorwege einiges
über sie in Erfahrung. So kann er die Umstände und die Taktik
des Anwerbeversuches genau auf die Person anpassen, Ort und Zeit bestimmen
und den Verlauf vorausplanen. Der Überraschungseffekt im Moment der
Kontaktaufnahme ist für Dich um so größer. Meist wirst
Du in einer scheinbar x-beliebigen Situation auf der Straße angesprochen,
aber auch Hausbesuche und seltener Telefonanrufe oder Briefe gehören
zu ihrem Programm.
Die Gesprächsstrategie ähnelt dabei der Verhörtaktik der
Bullen. Zum einen versuchen sie Dich verschiedenartig unter Druck zu setzen.
Sie nennen beispielsweise anstehende Verfahren, interne Erkenntnisse über
Dich und Deine Umgebung oder andere Umstände, von denen sie meinen,
daß sich Dich erpreßbar machen. Dabei können sie mit
Drohungen, Handgreiflichkeiten oder falschen Versprechungen agieren.
Zum anderen sind sie darauf aus, das Gespräch durch vermeintlich
belanglose Themen und einfache, plumpe oder lächerliche Fragen aufrechtzuerhalten.
Sie reden über Hobbys, Arbeit und Privates, vermeiden Reizwörter,
benutzen Szenevokabular. Dabei versuchen sie immer wieder, auf die für
sie interessanten Bereiche zu lenken, stellen hier weniger Fragen, sondern
treffen Feststellungen, wollen mit Dir ein gegenseitiges "Zweckbündnis"
eingehen und stellen andauernd rhetorische Fallen. Je länger dieses
Gespräch dauert, desto mehr Informationen kriegen sie aus Dir heraus.
Sie sind geschult und können aus eigentlich bedenkenlosen Äußerungen
oder plötzlichem Schweigen, minimalen körperlichen Reaktionen,
Mimik und Gestik bereits Erkenntnisse gewinnen, die sie auch verwerten
können. Deine Konsequenz sollte deshalb nur eine sein:
Maul
halten
und den Kontakt sofort abbrechen. Es ist ein grundsätzlicher Fehler,
sich auf Gespräche mit dem VS einzulassen. Es wird kaum möglich
sein, irgend etwas Interessantes aus diesen Leuten herauszubekommen und
wenn, nur unter Preisgabe viel gewichtigerer Sachen für sie. Wir
sollten diese Anquatschversuche genauso bewerten wie Angriffe von Polizei
und Justiz. Durch ihre Arbeit als Teil des Repressionsapparates beteiligen
sie sich an der Kriminalisierung und Zerschlagung linken Widerstandes.
Zumal die Anquatschversuche aktiv dabei mitwirken sollen, Leute zu lähmen,
einzuschüchtern und mit Repression zu bedrohen.
Das einzig richtige Verhalten, diesen geheimdienstlichen Tätigkeiten
entgegenzutreten, ist die Öffentlichkeit zu suchen. Rede mit vertrauten
Leuten darüber, fertige ein Gedächtnisprotokoll an, und überlege
Dir gemeinsam mit anderen, diesen Versuch zu veröffentlichen. Informiere
Gruppen, die inhaltlich dazu arbeiten.
Der Verfassungsschutz ist ein staatliches Instrument, das den Repressionsorganen
zuarbeitet und allein aus diesem Grund kein Gesprächspartner für
uns!
Solidarität
mit den Betroffenen!
Macht Anwerbeversuche öffentlich!
Keinerlei Zusammenarbeit mit VS und Polizei!
Nachzulesen
auch auf: de.indymedia.org/2005/06/121454.shtml |