Berlin, 07.05.2008

Medikamentenskandal JVA-Moabit: Geschädigte stellen Strafantrag
Antifa Christian S. war 2005 von den Angeklagten nicht behandelt worden

Am 25.4 begann der Prozess gegen fünf Beamte des Haftkrakenhauses der JVA Berlin-Moabit. Sie sollen zwischen Mai 2005 und September 2006 Medikamente im Gesamtwert von 2.230 Euro gestohlen und gewinnbringend weiterverkauft haben. Den erkrankten Gefangenen wurden ihre Medikamente damals vorenthalten.

Durch die Bekanntgabe der Namen der Angeklagten wurde nun recherchiert, dass der derzeit in der JVA-Plötzensee inhaftierte Antifa Christian S. offenbar einer der vielen Betroffenen der Bande ist. Während einer Untersuchungshaft im Jahr 2005 wurde er von den Angeklagten medizinisch versorgt. Da er an einer fortgeschrittenen Hepatitis-C leidet, wurde er zu dem Zeitpunkt mit teuren Medikamenten therapiert. Immer wieder kam es zu Engpässen und er bekam Wochenlang keine Medizin. Da nun klar ist wodurch diese Engpässe verursacht wurden hat Christian S. Anzeige wegen Körperverletzung durch Unterlassen, Diebstahl, Untreue pp. gegen die Angeklagten im Medikamentenklau-Prozess gestellt.

Christian S. war damals in Untersuchungshaft weil er angeblich eine Flasche in Richtung eines Naziaufmarschs am 13.2.2005 in Dresden geworfen haben sollte (im November 2007 wurde er von diesem Vorwurf freigesprochen). Seine medizinische Situation zwang ihn im Januar 2006 dazu einen sehr umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft einzugehen. Er wurde aus der Untersuchungshaft entlassen, weil er von seinem Berufungsrecht in einem anderen Verfahren zurückgetreten ist. Wegen dieser Berufungsrücknahme verbüßt er nun ein völlig überzogenes Urteil von 3 Jahren Haft wegen Barrikadenbau am 1. Mai 2004 in Berlin ebenfalls am Rande einer NPD-Demo.