Berlin,
08.09.2008
Justizposse
mit Fortsetzung in der JVA-Plötzensee
Verspätete 2/3-Anhörung für den einsitzenden Antifaschisten
Christian S.
Unter
dem Aktenzeichen 589STVK801/08 findet morgen, am 10. September 2008 um
10.15 Uhr, im Raum 144 am Landgericht Tiergarten, die Anhörung zur
Entlassung von Christian S. aus der JVA-Plötzensee nach 2/3 der Haftzeit
statt. Der Antifaschist ist seit Juni 2007 inhaftiert, weil er einen Neonaziaufmarsch
im Mai 2004 mit einer Barikade verhindern wollte.
Nach
vielen Anläufen und erst nach Protest diverser gesellschaftlicher
Kräfte vom Abgeordnetenhaus bis zum Vollzugsbeirat kommt es - mit
mehr als einem Monat Verspätung, endlich zur lang erwarteten Entscheidung
über Christians Antrag gemäß §§57 STVGB frühzeitig
entlassen zu werden.
Die JVA-Plötzensee hat eine Stellungnahme zur 2/3-Anhörung verfasst,
in der für eine Vollverbüßung plädiert wird. Demnach
ist es nicht Christian selbst, der negativ zu bewerten ist, sondern sein
antifaschistisches Umfeld, das „legalprognostisch weiterhin nur
als eher problematisch“ gilt (siehe http://one.xthost.info/freechristian/data/stellungnahme_vollzugsplan_jva_ploetze.htm)
Bezuggenommen wird darin auf einen Vollzugsplan, der von der JVA-Tegel
verfasst wurde und vor dem Verwaltungsgericht nicht standhalten konnte
(siehe http://one.xthost.info/freechristian/data/klage_vollzugsplan.htm).
Die dort enthaltenen konstruierten Vorwürfe von drei Ermittlungsverfahren
ließen sich nicht weiter halten, nachdem alle rechtskräftig
eingestellt wurden oder mit Freispruch endeten. Diese Verfahren wurden
schon mehrfach gegen Christian angeführt: Bei der Verlegung aus dem
offenen Vollzug der JVA-Hakenfelde, in die JVA-Tegel im Juli 2007 und
bei der Gefährlichkeitsprognose durch die JVA-Tegel, die wiederum
für die erneute negative Haltung der JVA-Plötzensee verantwortlich
ist.
Die JVA-Plötzensee versuchte auch auf anderen Wegen eine neue Vollzugsplanung
und den 2/3-Termin hinauszuzögern. So entschied die Leitung Christian
mit einem Neonazi zusammenarbeiten zu lassen, obwohl eine dienstinterne
Anweisung der Senatsverwaltung existiert, Christian von der Neonazi-Szene
im Strafvollzug fernzuhalten, um ihn und den Vollzug nicht zu gefährden
(siehe http://www.jungewelt.de/2008/02-05/075.php).
Erst durch die Intervention von Mitgliedern des Abgeordnetenhauses wurde
diese Zusammenarbeit beendet. Auch mit zahlreichen Urintests und Zellendurchsuchungen
konnte nichts Belastendes gegen Christian gefunden werden.
Die Anhörung findet vor dem Hintergrund des Hungerstreiks von europaweit
561 Häftlingen statt. Darunter auch zahlreiche Berliner, welche die
erschreckend geringe Anzahl der 2/3-Entlassungen in Berlin (etwa 7%) anprangerten.
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