Untersuchungshaft in der JVA Berlin-Moabit

Untersuchungshaft ist grässlich für den Inhaftierten und die Menschen, die ihm nahe stehen. Untersuchungshaft ist die Inhaftierung eines nicht oder nicht rechtskräftig Verurteilten Beschuldigten, für den also die Unschuldsvermutung gilt. Untersuchungshaft ist deshalb eine Freiheitsberaubung gegenüber einem Unschuldigen (Kleinknecht/Meyer-Goßner, StPO).

Ein Angehöriger oder Freund ist in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit. Sie wollen ihn besuchen. Sie möchten ihm den Aufenthalt erleichtern. Dazu möchten wir Ihnen einige Informationen geben:

erstens:
Die Anschrift der Justizvollzugsanstalt (JVA) Berlin-Moabit lautet:

JVA Moabit
Alt-Moabit 12 a
10550 Berlin
Tel (030) 9014-0

zweitens:
Nur ein Besuchstermin alle zwei Wochen wird von der JVA zugelassen. (Sondersprecherlaubnisse werden nur ganz ausnahmsweise aus nachgewiesenem wichtigen Grund erteilt.) Deshalb ist es wichtig, dass Verwandte und Freunde sich wegen der Haftbesuche abstimmen und den Inhaftierten gegebenenfalls gemeinsam besuchen.

drittens:
Besucher können nicht einfach zur JVA fahren und Einlass begehren. Das ist in Berlin-Moabit viel komplizierter:
Zuerst muss mit der JVA telefonisch ein Besuchstermin vereinbart werden. Das tun Sie unter der Rufnummer (030) 9014-5535.

viertens:
Wenn der Besuchstermin mit der JVA vereinbart ist, muss (jeweils für jeden Besuchstermin und für jeden Besucher) ein Sprechschein beantragt werden. Sprechscheine erteilt die Geschäftsstelle der zuständigen Abteilung der Staatsanwaltschaft oder des Amts- oder Landgerichts.
Um die richtige Geschäftsstelle der Berliner Strafjustiz ausfindig zu machen, benötigen Sie das Aktenzeichen des Verfahrens gegen den Häftling. Wählen Sie dann die Rufnummer (030) 9014-0. Das ist die Telefonzentrale der Berliner Strafjustiz. Von dort werden Sie mit der zuständigen Geschäftsstelle der Staatsanwaltschaft oder des Amts- oder Landgerichts verbunden.
(Ohne Aktenzeichen wird die Sache erfahrungsgemäß schwierig, zumal die JVA aus Gründen des Datenschutzes keine hinreichenden Auskünfte erteilt. Wenn Sie überhaupt nicht weiter kommen, empfehlen wir die Konsultation eines Strafverteidigers.)

fünftens:
Wenn Sie mit Sprechschein (und Personalausweis oder Reisepass!) zum vereinbarten Termin erscheinen, ist noch einiges zu beachten: Die Übergabe von Gegenständen aller Art (einschließlich Zigaretten und Medikamente) ist untersagt.
Bringen Sie bitte 15 EURO Hartgeld mit: Im Sprechbereich befinden sich Automaten, an denen Besucher für maximal diesen Betrag Konsumgüter ziehen und dem Gefangenen übergeben dürfen.

sechstens:
Wäsche kann für den Gefangenen an der Pforte abgegeben werden. Medikamente, Konsumgüter, Zigaretten, Literatur werden dem Gefangenen aus Gründen der Sicherheit der JVA nicht ausgehändigt.
Zeitungen (evtl. ein Abonnement) und sonstiger Lesestoff muss über Verlage oder Buchhandlungen (alle größeren Buchhandlungen wissen Bescheid) bezogen und von dort direkt dem Gefangenen in die JVA gesandt werden.
Über Pakete zu Festtagen erhalten Sie in der JVA ein Merkblatt mit vielen, teils wunderlichen Regelungen.

siebentens:
Die Verhältnisse in der JVA sind karg. Gefangene benötigen etwas Geld, um sich Kaffee, Obst, Zigaretten extra zu kaufen. Bitte überweisen Sie dem Gefangenen dazu einen angemessenen Betrag (100,00 EURO genügen erst einmal). Bitte überweisen Sie so:

Zahlstelle JVA Moabit
Postbank Berlin (BLZ 100 100 10)
Konto 7277-101

Im Betreff geben Sie bitte an:
Eigengeld für: Vorname und Name
Buch-Nr. 1245/02

Gefangene werden unter einer Gefangenenbuch-Nummer geführt. Die Angabe der Buch-Nr. erleichtert der JVA die Zuordnung des Zahlungseingangs. Geben Sie die Buch-Nr. nicht an, kann es länger dauern, bis der Gefangene über den Zahlungseingang unterrichtet wird und über das Geld im sogenannten "Hauseinkauf" verfügen kann.

Quelle: http://www.dr-frank.de/jva.htm