Skandal in der JVA Berlin Moabit Erschreckende
Realität aus der JVA Berlin Moabit. Ein Menschenleben ist nichts
Wert und gemeinschaftliche unterlassene Hilfeleistung traurige Normalität. Der Abgeordnete Ratzmann (Buendniss90, die Grünen) stellt eine Anfrage wegen des Todesfalls in der Haftanstalt Berlin Tegel. Die Justizsenatorin lässt den Anstaltsleiter die Geschehnisse schildern. Der Anstaltsleiter führt minutiös aus wie die Rettungsmaßnahmen abgelaufen sein sollen. Er versucht keinen Zweifel daran zu lassen wie stark sie sich bemüht um das Leben des Gefangenen zu retten. Trotz Einsatz des Rettungshubschraubers ist das Ergebnis Herzversagen. Der Gefangene litt an Diabetes und war am Morgen des selbigen Tages vom Arzt untersucht worden. Als man Ihn in einem sehr schlechten Zustand auffand soll er stark unterzuckert gewesen sein. Der Sanni verabreichte angeblich Traubenzucker und leitete die nach Angaben der Gefängnisgleitung sehr umfangreichen Rettungsmaßnahmen ein. Bei der aktuellen Viertelstunde machte die Justizsenatorin darauf aufmerksam, das sie in Moabit heute morgen auch ein Todesfall zu „beklagen“ hätte. Frau Senatorin Karin Schubert (SPD) will sich und den Abgeordneten eine weitere Anfrage „ersparen“ und macht Ausführungen die den Vorfall mitteilen. Sie erläuterte kurz das der Gefangene krank war und Suizid beging. Der Vorfall schien ihr und ihren Abgeordneten keiner weiteren Erwähnung würdig zu sein. Das die Realität im krassen Gegensatz zu diesen verharmlosenden Schilderungen des Apparates steht, beweisen die Augenzeugenberichte der Gefangenen die Tagtäglich der Repression ausgesetzt sind die bis zum Tode führen kann:
"Der
getötete Gefangene, vermutlich Sinti oder Roma, war seit ca. 3 Wochen
hier. Die ersten 10 Tage war er im Hungerstreik, vermutlich weil er telefonieren
wollte, was ihm aber verweigert wurde. Bei der Essensausgabe wurden ihm
von den Beamten immer Sprüche gesagt, die als Verarschung bezeichnet
werden können. So genau habe ich das nicht mitbekommen, weil immer
nur eine Tür geöffnet wird. Der Typ war in einer Einzelzelle
untergebracht, die aber mit zwei Leuten belegt war. Der andere Gefangene
ist heute Morgen mit uns zur Freistunde ausgerückt. Der spätere
Selbstmörder blieb auf Zelle. Ich hatte den Eindruck: “Der
sieht so fertig aus, den darf man gar nicht allein lassen!” (Manche
werden während der Freistunde wo anders eingeschlossen, um einen
Suizid zu verhindern). Das Einrücken der Freistunde wurde um 8:30Uhr
durchgesagt, dann begannen die Beamten auf der Abteilung die Zellen aufzuschließen,
sie gucken dabei aber meistens nicht in die Zellen rein. Wir stehen dann
in der Regel 2-3min auf dem Flur, während die Beamten mit dem Einschluss
anfangen. Der 2. Mann von der 547 ist dann in die Zelle rein und hat den
Anderen am Gitter hängend gefunden. Er ist wieder raus und hat das
einer Beamtin auf dem Flur mitgeteilt. Diese hat kurz in die Zelle rein
geguckt und dann Alarm ausgelöst. Daraufhin wurden im ganzen Haus
erstmal alle eingeschlossen, die gerade unterwegs waren. Nach einer Minute
trafen weitere Beamte ein und ich hörte wie der Mensch abgeschnitten
wurde und jemand sagte: “Der ist noch warm!” Es wurde nach
einem Arzt gerufen aber es kam nur der Sanni. (Das Revier ist im Erdgeschoss).
Jemand sagte: ”Mund zu Mund mache ich nur noch mit Tubus!”
Einige Beamten lachten und machten Scherze. Dann waren röchelnde
Geräusche zu hören, jemand sagte: “ Er kommt wieder. Leg
ihn in stabile Seitenlage, damit er nicht an der Kotze erstickt!”
Eine Beamtin sagte, das sie im Schnitt 3 Selbstmörder pro Jahr findet,
damit wäre das Soll für dieses Jahr schon erfüllt. (Letzter
Selbstmord auf dieser Abteilung soll vor 2 Monaten gewesen sein.) Dann
war wieder ausgelassene Stimmung und Lachen. Es wurde beraten ob die Feuerwehr
zu holen ist, aber verworfen. Dann sagte jemand: “ Sieht nach Genickbruch
aus.” Und um 9:05Uhr: ”Der ist weg!” Dann wurde lamentiert
wer die Leiche wegbringt und wer den “Dreck” wegmacht. Die
medizinischen Bemühungen würde ich nicht als besonders Ernsthaft
bezeichnen. Kurz darauf waren Bullen oder Staatsanwaltschaft in und vor
der Zelle. Die Stimmung war fröhlich, jemand sagte: “Der checkt
jetzt aus” und irgendwas wie: der hätte doch nur 3 Jahre gehabt
und “sich” jetzt vorzeitig entlassen. Ich hatte zu keiner
Zeit das Gefühl, das das Leben des Gefangenen für die Beamten
irgendeinen Wert hätte. Es kann sein, das der Getötete vorher
ein Gespräch mit dem Sozialdienst angemeldet hatte, da gibt es aber
wochenlange Wartezeiten." |