Freiheit
für die Gefangenen des 1. Mai!
Kommt
zahlreich zur Solidaritäts-Demonstration und dem Knastkonzert vor
der JVA Moabit für alle im Zusammenhang mit den Aktionen am diesjährigen
ersten Mai inhaftierten AktivistInnen: Samstag, 12. Juni, 15.00 Uhr, U-Bhf.
Turmstr. (U9)!
Als
Reaktion auf die zum Teil militanten Auseinandersetzungen im Rahmen des
diesjährigen 1. Mai verhängte die Berliner Justiz Haftbefehle
gegen über 100 AktivistInnen, weitaus mehr als in den Jahren zuvor.
Mindestens 70 von Ihnen befinden sich nach der ersten Haftprüfung
noch immer in Untersuchungshaft. Es scheint, als beabsichtigt die Berliner
Justiz mit ihrer Ankündigung ernst zu machen, in diesem Jahr gegen
"Mai-Randalierer" ein abschreckendes Exempel zu statuieren.
Mit dem harten Durchgreifen von Justiz und Polizei soll der linksradikale
und antifaschistische Widerstand, den Tausende Menschen seit Jahren am
1. Mai in Berlin auf die Straße tragen, als Ganzes dauerhaft gebrochen
werden. Es ist dringend erforderlich, diesem Angriff der Herrschenden
auf die radikale Linke über unterschiedliche Ansatzpunkte und die
üblichen Differenzen hinweg gemeinsam zu begegnen. Um die inhaftierten
AktivistInnen zu unterstützen, mobilisieren wir als Bündnis
zunächst zu einer Demonstration und einem Knastkonzert vor die JVA
Moabit, in der die männlichen Aktivisten inhaftiert sind. Am 19.
Juni wird zudem eine Kundgebung vor dem Frauenknast in Pankow stattfinden.
Der
Vorlauf des ersten Mai: Maisteine & Co…
Der 1. Mai begann dieses Jahr bereits Anfang April: Der Startschuss fiel
mit der großen Demonstration gegen Sozialabbau, während der
das Gebäude des BDI mit Farbflaschen attackiert wurde. Mit einer
Hausbesetzung in der Oranienburger Str. wurde der Forderung nach einem
sozialen Zentrum Nachdruck verliehen. Während der gleich darauffolgenden
Autoorganisationstage wurden immer wieder Plätze und Häuser
besetzt. Knall auf Fall folgten die Maisteine: In vielfältigen Aktionen
im Vorfeld des 1.Mai wurden verschiedene politische Konfliktfelder wie
die fortschreitende neoliberale Umstrukturierung - z.B. im Rahmen der
"Tour de Luxe" sowie bei den BVG-Aktionen, der staatlich institutionalisierte
Rassismus - etwa im Rahmen der Kundgebung gegen den Abschiebeknast in
Köpenick sowie des Antikolonialen Spaziergangs im Wedding - oder
auch die zunehmende Verselbstständigung des Polizei- und Sicherheitsapparates
(bei Aktionen zur Forderung der Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte)
thematisiert. Es gab Aktionen beim Arbeitsamt Wedding und gegen private
Sicherheitsfirmen. Das Medienecho auf diese Aktionen war anfänglich
erstaunlich hoch. Fast täglich erschienen Meldungen über Aktionen
im Rahmen der Kampagne. Gleichzeitig stieg die Hetze gegen alle Aktionsformen,
die sich über die Spielregeln des Systems hinwegsetzten. So kündigte
die Staatsanwaltschaft im unmittelbaren Vorfeld des 1. Mai "10 Jahre
Knast für Mai-Randalierer" an, während auf den Titelseiten
der Boulevardzeitungen Bullen und vermeintliche AnwohnerInnen ihre "Angst,
den Randalierern in die Hände zu fallen", bekannten.
Am Abend des 30.April demonstrierten in Berlin-Mitte, begleitet von einem
enormen Polizeiaufgebot, rund 1.000 Linke gegen die Festlichkeiten anlässlich
EU- Osterweiterung und deren Folgen. Am späten Abend gingen Einheiten
der Polizei brutal gegen TeilnehmerInnen der Walpurgisnacht-Feierlichkeiten
im Bereich des Mauerparks vor. Bereits dort sind über hundert Menschen
eingefahren, gegen 35 wurde ein Haftbefehl erwirkt.
Staat
und Nazis...
Wie bereits in den letzten Jahren versuchten auch dieses Jahr Mitglieder
von rechtsextremen Parteien und Kameradschaften einen Aufmarsch in Berlin
durchzuführen. Die Besonderheit am diesjährigen ersten Mai war,
dass sich sogenannte "freie" Kameradschaften und die NPD auf
eine zentrale Demonstration einigen konnten. Rückten diese Aufmärsche
die letzten Jahre immer weiter in die Innenstadt vor, sollte es in diesem
Jahr von Lichtenberg aus mitten durch Friedrichshain gehen. Etwa 2500
Nazis sammelten sich so am Vormittag des ersten Mai am S-Bahnhof Lichtenberg.
Auf ihrer Route stellten sich den Nazis ca. 5000 GegendemonstrantInnen
in den Weg. Die AntifaschistInnen blockierten die Straße und wurden
von der Polizei, aus dem Weg geräumt. Noch um 15 Uhr verkündete
der Einsatzleiter der Polizei, die Route der Nazis würde auf jeden
Fall durchgesetzt werden. Kurze Zeit später brannten auf der Frankfurter
Allee Müllcontainer, auch ein Mercedes durfte als Barrikade herhalten.
Polizei und Nazis wurden mit Steinen und Flaschen angegriffen. Durch diesen
ungewöhnlich starken antifaschistischen Protest musste der Naziaufmarsch
schon am S-Bahnhof Frankfurter Allee abgebrochen werden, die Nazis hatten
nicht einmal ein Drittel ihrer Route zurücklegen können. Bei
diesen Aktivitäten in Friedrichshain und Lichtenberg wurden 100 Personen
festgenommen. 70 befinden sich noch immer im Knast!
Der
1. Mai in Kreuzberg
Hass auf die Polizei, deren Ziel- und Fahndungsraster entlang rassistischer
und sozialer Kriterien verlaufen, die Wut angesichts sozialer Einschnitte
und massiver staatlicher Kürzungen oder auch die generelle Ablehnung
des bestehenden Systems: Dies und noch viel mehr sind gute Gründe,
warum Menschen am 1.Mai ihre Wut auf die Strasse tragen und sich nicht
an die staatlichen Spielregeln halten.
Die Antworten des Staates darauf sind immer die gleichen: Hausbesuche
im Vorfeld des 1. Mai, um "bereits auffällig gewordene"
Leute und deren Umfeld einzuschüchtern, massive Überwachung,
Schlagstock-Einsatz und Wasserwerfer, aber auch Bullenbesuch in Schulen
etc. etc. … Der staatliche Repressionsapparat stützt sich dabei
zunehmend auf Denunziation, sei es gleich am Rande der Demonstrationen
und Aktionen durch das "Engagement" einiger BürgerInnen,
aber auch in den folgenden Wochen durch die Resonanz auf die ausgehängten
Fahndungsplakate.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Befriedigungsstrategie des Senats unter
Einbeziehungen von ausgewählten Initiativen ist das Kreuzberger "My
Fest". Dies soll als ein politisches Straßenfest von KiezbewohnerInnen
verkauft werden. Doch hatten sich die InitiatorInnen nun schon zum zweiten
Mal das Ziel gesetzt, die Grenzen dessen, was an diesem Tag rund um den
Heinrichplatz möglich sein soll, selbst zu setzen: Laute, radikale
Zwischentöne und die revolutionären 1. Mai Demos sollen am besten
ganz aus dem Bezirk verschwinden. Von den FestmacherInnen wurde offen
zur Denunziation von sogenannten "Krawallmachern" aufgerufen.
In der "Feierzone", einem angeblich polizeifreien Raum, arbeitete
die von den InitiatorInnen engagierte Security reibungslos mit Bullen
in Zivil zusammen, während in den Hinterhöfen Hundertschaften
warteten, um gegen vermeintliche "Störer" vorgehen zu können.
Vereinfachend wurde stets behauptet, die "Randale" würde
nur von abenteuerlustigen zugereisten und ausländischer Jugendlichen
völlig sinnfrei angezettelt.
Eine geplante gemeinsame Abschlusskundgebung der beiden revolutionären
1. Mai Demonstrationen sollte von den Polizeikräften mit aller Gewalt
verhindert werden, dennoch gelang die Durchsetzung einer Spontandemonstration
gegen das offizielle Demonstrationsverbot im Bereich der Oranienstrasse.
In Folge der sich anschließenden militanten Auseinandersetzungen
und der folgenden Jagd von uniformierten und zivilen Greiftrupps auf "Unruhestifter"
wurden weitere __ Menschen abgegriffen.
Die hohe Anzahl der insgesamt im Zusammenhang mit dem diesjährigen
1. Mai verhängten Haftbefehle - insgesamt 91 (??) - ist neben der
zugrundeliegenden politischen Zielsetzung insbesondere auch auf das reichlich
vorhandene Bildmaterial und den gezielten Einsatz der Greifer zurückzuführen.
Nach der ersten Haftprüfung befinden sich nun immer noch 70 Menschen
in Haft.
Was
tun? Was tun!
Beteiligt Euch an den Demonstrationen und Kundgebungen, schreibt Briefe
an die Gefangenen, organisiert Soli- Partys oder spendet selber Geld für
die kommenden Prozesskosten. Die Rote Hilfe führt ein Sonder-Konto:
Rote Hilfe e.V. Kontonr.: 7189590600 BLZ: 100 200 00 Berliner Bank Kennwort:
1. Mai. Und schließlich, last but not least, springt über Euren
eigenen Schatten und klinkt Euch, über alle sonstigen Gräben
hinweg, bei der Bündnisarbeit mit ein, denn gemeint sind wir alle!
Deshalb:
Unterstützt die Gefangenen, spendet Geld und engagiert euch gegen
Repression!
Bands: La calzada de los muertos (mexican surf ska), Gond und andere Ska/Punk
Bands
Spendenkonto: Rote Hilfe Berlin | KtoNr. 7189590600 [GEÄNDERT!] |
BLZ 100 200 00 | Stichwort: 1.Mai 04
Freiheit
für die Gefangenen des 1. Mai!
Freiheit für alle politischen und sozialen Gefangenen!
Widerstand lässt sich nicht verbieten!
Kontakt:
maisoli04@gmx.net
ACT! Aufruf: Widerstand ist notwendig, nicht kriminell. Demo am 12.Juni
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Haftbefehle, so viele wie nie zuvor, das ist die Bilanz von Justiz und
Polizei nach dem diesjährigen 1.Mai. Nach der ersten Haftprüfung
befinden sich immer noch 40 Personen in Haft.
Eine
Abstrafungsaktion mit Ankündigung und Billigung von Parteien, Medien
und bürgerlicher Öffentlichkeit. Es ist relativ unerheblich
was die Leute konkret gemacht haben und was ihnen vorgeworfen wird, ob
sie am 30.04 im Mauerpark feiern waren, sich am 1.Mai den ganzen Tag den
Nazis in Friedrichshain und Lichtenberg in den Weg gestellt haben, oder
ob sie sich am Abend gegen die Besetzung Kreuzbergs durch ein riesiges
Bullenaufgebot gewehrt haben. Schon Wochen vorher stand für die Meinungs-
und Stimmungsmacherfest, das es sich auf jeden Fall um schwerste Straftaten
handeln wird. "Bis zu zehn Jahre Haft für Randalierer"
kündigte die Staatsanwaltschaft Ende April via Berliner Presse an
und medienwirksam wurden noch schnell z.T. mehrjährige Haftstrafen
für Verhaftete aus dem Vorjahr verhängt. Nach dem 1.Mai wird
nun die Bestrafung der diesjährig Festgenommenen auch ohne rechtsstaatliches
Verfahren durch die Verhängung von wochenlanger U-Haft und aberwitzigen
Kautionsforderungen praktisch vorweggenommen.
Die Kampagne zur Entpolitisierung des 1.Mai, die von Behörden, Medien
bis hin zu Linksliberalen in den vergangenen 3-4 Jahren geführt wurde,
beginnt nun also Früchte zu tragen. Es wird emphatisch beklagt, dass
der 1.Mai unpolitisch geworden sei, und zwar kommt dieser Klagegesang
genau von denjenigen, die sich noch nie einen Scheissdreck um das gekümmert
haben was wir zu sagen haben. 2001 gab es den Versuch den 1.Mai in Berlin
zu einem Tag des Widerstands gegen den sozialen Kahlschlag und die neoliberale
Globalisierung auszubauen. Besser bekannt unter dem Namen "Grottian-Initiative"
bzw. "Denk Mai neu", hatte damals ein breites Bündnis als
Reaktion auf das Demo-Verbot im Vorjahr den Versuch gestartet nicht nur
die Demo zu ermöglichen sondern den 1.Mai zu einem Kristallationspunkt
für den Widerstand aus allen verschiedenen politischen Ecken und
sozialen Initiativen zu machen. Das Projekt, dessen integraler Bestandteil
auch die Forderung nach einem polizeifreien 1.Mai war, ist damals schon
im Vorfeld an dem Einsatzplan der Polizei gescheitert. Stattdessen wird
nun das Konzept des politikfreien 1.Mai durchgesetzt. MitarbeiterInnen
des Bezirksamts inszenieren ein Kiez-Fest um Demos und Riot aus Kreuzberg
zu verdrängen, legen sich mächtig ins Zeug eine Anti-Demo-Stimmung
mit Bierständen, Musik und Döner zu simulieren. Dass man selbst
nicht so recht daran glaubte mit Brot und Spielen die Leute bei Laune
zu halten, zeigte dann das immense Bullenaufgebot das erst den Mauerpark
und dann am nächsten Tag Kreuzberg besetzt hielt. Massenweise Zivicops
auf dem "Myfest", während die Hundertschaften schon in
den Hinterhöfen rund um die Oranienstraße postiert waren. Der
Bulleneinsatz war dann auch tatsächlich die einzige politische Veranstaltung
des Myfest.
Die Gründe warum Leute die militante Auseinandersetzung am 1.Mai
suchen sind vielfältig, oftmals nicht direkt von einem im bürgerlichen
Sinne "politischen Bewusstsein" motiviert. Wer aber den Krawall
auf "Abenteuerlust" und rassistische Stereotype (wie bei der
Phrase von den "türkischen und arabischen Jungmachos")
zurückführen will, lügt sich selbst in die Tasche. Rassistische
Ausgrenzung, soziale Deklassierung, der Kampf gegen Nazis, Polizeischikanen,
Ausbeutung und Armut, all das sind Gründe warum die Leute den 1.Mai
in Berlin so begehen wie sie es machen. Da kann man sich noch so sehr
"phantasievolle Aktionen" und "vernünftige DemonstrantInnen"
wünschen, Pech gehabt, im zweitärmsten Stadtteil Berlins gibt
es eben zwangsläufig auch diejenigen, die sich nicht an die Konventionen
einer Gesellschaft halten, die eh nie die ihre war und die es auch nie
sein wird. Verwunderlich am Krawall ist eigentlich lediglich, dass die
Wut sich nur am 1.Mai die Bahn bricht und nicht öfter.
An dem Vorgehen von Justiz und Polizei um den 1.Mai wird deutlich, wie
der Staat mit denen umzugehen gedenkt, die sich nicht an die von ihm gesetzten
Spielregeln einer "vernünftigen Auseinandersetzung" halten.
Die Repression macht keinen Unterschied ob man gegen Nazis vorgeht, sich
gegen Bullen-Schikanen wehrt oder ohne Anmeldung und Kontrolle feiern
will, was den Rahmen des gesetzlich Erlaubten verlässt soll zu unpolitischem
Vandalismus erklärt und die Legitimation entzogen werden. Da machen
wir nicht mit: Widerstand ist notwendig, nicht kriminell.
Die Gefangenen vom 1.Mai müssen raus.
Kommt zur DEMO am 12. Juni
"Antifaschistischer und Sozialer Widerstand läßt sich
nicht verbieten!" Samstag 12. Juni 15.00 Uhr U-Bahnhof Turmstr. (U9)
+ anschließend Konzert vor dem Knast
ACT!, Juni 2004
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