16.11.2007
WELT
"Das Gewaltpotenzial verunsichert das Personal"
Der neuer Leiter der Haftanstalt Tegel, Ralph Adam, über die Probleme
seiner Justizbediensteten
Ralph Adam ist seit einer Woche neuer Leiter der Justizvollzugsanstalt
Tegel, Deutschlands größter Haftanstalt, mit rund 1700 Insassen.
Adam fing 1978 - praktisch mit der Einführung des Justizvollzugsgesetzes
- als Sozialarbeiter in Tegel an und hat danach in dem Gefängnis
in vielen Funktionen gearbeitet. Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD)
ernannte ihn jetzt zum Nachfolger des langjährigen Chefs, Klaus Lange-Lehngut.
Jens Anker sprach mit dem 59-Jährigen über den Zustand des Strafvollzuges,
die neue Haftanstalt Heidering bei Berlin und seine Pläne als Anstaltsleiter.
Die Welt:
Herr Adam, was ist so reizvoll daran, Deutschlands größtes
Gefängnis zu leiten?
Ich weiß nicht, ob reizvoll das richtige Wort ist. Ich habe hier
in Tegel fast mein ganzes Berufsleben verbracht und berufliche Zufriedenheit
gefunden. Die Arbeit hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, der
leider in der Öffentlichkeit nicht so recht anerkannt wird. Die Arbeit
ist spannend, und ich habe an der enormen Entwicklung des Strafvollzuges
in den vergangenen 30 Jahren mitgewirkt.
Wie stellt sich der Strafvollzug heute dar?
Wir befinden uns gegenwärtig in einer schwierigen Situation. Ich
habe den Vorteil, dass ich die Mitarbeiter kenne und über die Jahre
eine Sicherheit im Handeln gewonnen habe. Ich bin jedenfalls stolz darauf,
als Nichtjurist ausgewählt worden zu sein. Ich habe Respekt vor der
Aufgabe, jetzt Tegel zu leiten.
Gegenwärtig bestimmt die Frage nach der Sicherheit der Berliner Gefängnisse
die öffentliche Diskussion. Ist Tegel sicher?
Bei der Frage der Sicherheit gibt es für uns drei Eckpfeiler. Die
instrumentelle Sicherheit, die in der äußeren Sicherheit, den
Gebäuden und Mauern, besteht, dann die administrative Sicherheit,
die aus den Dienstanweisungen und Vorschriften besteht, und schließlich
die soziale Sicherheit, die wir den Inhaftierten bieten wollen. Dieser
letzte Aspekt bereitet uns derzeit am meisten Sorge. Zum einen wegen des
Personalabbaus, zum anderen, weil sich die Struktur der Gefangenen geändert
hat
Können Sie diesen Punkt genauer erklären?
Die Personalsituation ist angespannt. Dennoch stehen wir im Berliner Justizvollzug
im Bundesvergleich immer noch recht gut da. Das subjektive Gefühl,
zu wenig Personal zu haben, verunsichert den einen oder anderen Mitarbeiter.
Das ist ein ernst zu nehmendes Problem.
Haben sich auch die Gefangenen verändert?
Wir haben inzwischen Gefangene aus mehr als 50 Nationen, die ein Drittel
der rund 1700 Insassen ausmachen. Vor allem die Insassen aus Osteuropa
bereiten uns Schwierigkeiten, weil sie anders sozialisiert wurden und
auch Gewalt, sei es im Krieg oder in der Familie ganz anders erlebt haben.
Sie sind auch ein anderes Verhältnis zur Staatsgewalt gewöhnt.
Die wollen oft gar nicht mit uns in Kontakt treten oder mit uns reden.
Was heißt das für die Arbeit der Justizbediensteten?
Das verunsichert sie. In den vergangenen Jahren hat sich die Ausbildung
der Vollzugsbediensteten stark verändert. Hier war Berlin mit der
Einführung einer zweijährigen Ausbildung bundesweit Vorreiter.
Insgesamt sind wir mit der Auswahl der Mitarbeiter viel professioneller
geworden. Die Vollzugsbediensteten haben weitgehende Einflussmöglichkeit
auf die Gefangenen, und wir lehren sie, damit verantwortlich umzugehen.
Sind die Spannungen in den vergangenen Jahren gewachsen?
Den Alltag haben wir im Griff. Gewalt ist hier in Tegel nicht an der Tagesordnung.
Extremsituationen können aber immer auftreten. Das zunehmende Gewaltpotenzial
verunsichert das Personal. Körperliche Auseinandersetzungen sind
sie nicht gewöhnt. Auf eine Geiselnahme oder einen Gewaltexzess kann
man sich zwar vorbereiten, aber den Ernstfall nie exakt simulieren.
Nach fast 30 Jahren Arbeit im Berliner Strafvollzug - was haben Sie persönlich
daraus gelernt?
Ich hätte es nicht so lange ausgehalten, wenn ich der Meinung wäre,
Gefängnisse seien überflüssig. Es gibt Menschen, die die
Regeln des Miteinanderlebens verletzen. Darauf muss die Gesellschaft reagieren.
Wir leben glücklicherweise nicht mehr in einer Zeit, in der man sie
einen Kopf kürzer machte oder zehn Jahre in den Keller sperrte. Das
Ziel ist, dass die Gefangenen die Defizite und Ursachen ihres Handelns
erkennen, sonst können sie sich nicht ändern. Das gelingt natürlich
nicht immer, wir haben es ja mit einem schwierigen Publikum zu tun. Aber
in vielen Fällen haben wir auch Erfolg. Da wünschte ich mir
mehr Anerkennung für die Mitarbeiter in der öffentlichen Wahrnehmung.
Braucht Berlin Ihrer Meinung nach die neue Haftanstalt Heidering in Großbeeren?
Ich bin dafür. Meine Hoffnung besteht darin, dass dann die teilweise
verbesserungswürdigen Haftbedingungen in Tegel beseitigt werden.
Wir haben in Berlin also Bedarf an adäquaten Haftplätzen. Selbstverständlich
wird auch die neue Haftanstalt konzeptionell genutzt. Das heißt,
dass wir uns überlegen, wen wir in welche Haftanstalt schicken und
welche Betreuung wir ihnen angedeihen lassen, um eine möglichst günstige
Prognose für den Gefangenen zu erreichen. Eine sinnvolle Unterbringung
benötigt Platz.
Wie sieht die Zukunft des Strafvollzuges aus?
Ich stelle mir vor, die bestehende, gute Praxis noch weiter zu verbessern
und die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern im Gefängnis und
den Bewährungshelfern draußen noch stärker zu vernetzen.
Wir sollten die Wiedereingliederung der Gefangenen in die Gesellschaft
noch fließender gestalten.
18.11.2007 Soligruppe Christian S.
Sorge
um Ralph Günther Adam- Tegeler Anstaltleiter mit Realitätsverlust.
Das
hätte sich der ehemaliger Sozialpädagoge und Fechter beim deutschnationalen
RCDS in seiner Studentenzeit bestimmt nicht vorstellen können: Seine
Karriere als Berlins grösster selbsternannter "Randgruppenbezwinger"
ist in Gefahr, weil er sich in Parallelwelten verliert. Als junger Mann
in Bezirksamt für Obdachlose zuständig, entwickelte sich scheinbar
eine gewisse Wut auf gesellschaftliche Außenseiter. Im Morgenpost-Interview
vom 16. November 2007 muss es raus: Adam beschwert sich darüber,
dass in der JVA-Tegel Gefangene aus mehr als 50 Nationen sind, angeblich
ein Drittel der 1700 Insassen. In Wirklichkeit sind es eher 50 Prozent
und zwar aus dem einfachen Grunde, da sie meist härter bestraft werden
als deutsche Gesetzesbrecher bzw. es spezielle Straftaten gibt (Ausländerrecht)
die nur für Ausländern gelten.
Besonders
die Menschen aus Osteuropa würden Probleme machen wegen Krieg und
so. Was daran neu sein soll, verrät er nicht, bereits zwischen 1939
und 1945 stieg die Zahl nichtdeutscher Gefangener in der JVA-Tegel stark
an "wegen Krieg und so"?. Adam wundert sich darüber, dass
solche Gefangenen nicht mit den Beamten reden wollen würden, was
diese wiederum verunsichern würde. Warum ein Mensch mit Justizbeamten
in Kontakt treten sollte, die gegenüber den Inhaftierten nichteinmal
die primitivsten Kommunikationsformen beherrschen, verrät er nicht.
Dafür reklamiert er die Einführung einer zweijährige Ausbildung
als bundesweites Novum. Auch diese Neuheit ist allerdings so alt wie der
Knast.
Adam
ist offenbau zu ängstlich sich auch in den Hafthäusern blicken
zu lassen, sonst wüßte er, dass es von seinen drei Eckpfeilern
nur noch die instrumentelle Sicherheit gibt. Adam behauptet Gewalt sei
in Tegel nicht an der Tagesordnung. In anderen Interviews jammern andere
Justizexperten ständig über die krasse Gewalt in Deutschlands
größten Knast. Die dortigen fast täglichen Alarm Auslösungen
sind wohl nur Übung, genauso wie die häufigen Notarzteinsätze.
Auch die Behauptung, das JVA-Personal sei körperliche Auseinandersetzungen
nicht gewohnt ist absurd. Der Vorsitzende des Personalrates sprach neulich
im rbb von täglichen Schlägereien mit Gefangenen. Zehn gegen
Einen sind tatsächlich keine "körperlichen Auseinandersetzungen"
und die "Extremsituationen" sind für die Schließer
scheinbar eher eine willkomenen Abwechslung. Schnell mal auf einem gefesselten
Menschen herumgetrampelt und ihm dabei die Kleidung vom Leib gerissen
- so verunsichert wirkt das Personal da nicht.
In Ralph Adams Wahrnehmung sind die Zeiten vorbei, in denen Gefangene
einen Kopf kürzer - zu Todesfällen - gemacht wurden oder jahrelang
im Keller verschwanden. Die Statistik der JVA Tegel über Todesfälle,
Sicherungsverwahrte, Lebenslängliche, Arreststrafen und Bunkeraufenthalte
sagt etwas anders aus. Zum Schluß fantasiert der Leiter von Europas
rückständigsten Verwahrvollzug von "Betreuung", "sinnvoller
Unterbringung" und "Wiedereingliederung" der Gefangenen.
Aber warum legt die JVA Tegel für alle Inhaftierte vom ersten bis
zum letzten Tag nur negative Prognosegutachten eines zukünftigen
Sozialverhalten vor und verursacht durch Vollstreckung bis zum Schluß
gigantische Überbelegungsquoten? Will Ralph Adam will in die Geschichte
eingehen als der Direktor dem der Laden um die Ohren fliegt? |